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Kleiner Bericht aus Kopenhagen Drucken

Die UN-Klimaverhandlungen, viele Demos und eine internationale Begegnung

Ganze zwei Wochen habe ich, Anna - FÖJlerin der BUNDjugend SH, im Dezember in Kopenhagen bei den UN–Klimakonferenzen verbracht und dabei ziemlich viel erlebt. Hier findet ihr einen kleinen Bericht von mir:

In Kopenhagen war ich nicht nur bei den Verhandlungen dabei, sondern habe gleichzeitig auch an einer internationalen Begegnung mit Jugendlichen aus dem globalen Süden teilgenommen. Deshalb bin ich vor Kopenhagen zunächst 4 Tage nach Berlin gefahren, um die Jugendlichen dort erst einmal zu treffen und kennenzulernen. Am Flughafen habe ich dann also abgeholt:
Mauro aus Urugay, Michel aus Costa-Rica, John aus Ruanda, Karianako aus Kiribati und meinen Paten Ahfi aus Indonesien, mit dem ich schon vorher einen recht guten Kontakt über Emails und facebook hatte. Ahfi und ich

Alle kommen also aus sehr verschiedenen Regionen, Kulturen und Religionen, was das Ganze natürlich sehr interessant, aber teilweise auch etwas schwierig gemacht hat.

Für mich war besonders erschreckend, von ihnen persönlich erzählt zu bekommen, wie sehr der Klimawandel jetzt schon zu großen Problemen führt:
Ahfi z.B. engagiert sich für ein Dorf, welches durch den steigenden Merresspiegel komplett überflutet wurde, indem jetzt jedoch noch 6 Menschen leben, um Widerstand zu zeigen und auf den Klimawandel aufmerksam zu machen.
Karianako kommt wie gesagt aus Kiribati, das ist eine Miniinsel über Australien. Bei denen ist die Situation vergleichbar mit den Malediven, in 15-20 Jahren wird die Insel dortgrößtenteils überflutet sein, weshalb besonders junge Leute schon jetzt ihre Heimat verlassen und nach Australien oder Neuseeland gehen. Die Ältere Generation tut sich verständlicherweise sehr schwer damit ihre Heimat mit allen persönlichen Erinnerungen zu verlassen, weshalb Karianako vermutet, dass viele von ihnen nicht weggehen werden, sondern quasi den Tod in Kauf nehmen (wenn man das so sagen kann). Karianako hat mit 21 Jahren auch schon 2 und bald 3 Kinder (das ist in Kiribati auch ganz normal), was mir ebenfalls nochmal bewusst gemacht hat, wie unterschiedlich Kulturen sind.
Michel hat davon erzählt, dass in Costa Rica besonders viel Wald abgeholzt wird um Ananasplantagen zu pflanzen, woran ich beim Ananaskauf ehrlich gesagt noch nie wirklich gedacht habe.

Nach Berlin und dem ersten Kennenlernen sind wir dann nach Kopenhagen gefahren und haben uns noch am selben Tag unsere Akrreditierung und unseren Badgets abgeholt. Die Warteschlange vor dem Gebäude war wirklich sehr lang und wir haben insgesamt vier Stunden gebraucht, bis wir endlich drin waren. Drinnen angekommen, wirkte das Ganze für mich wie eine riesige Messe der NGO's (non-governmental Organisations), irgendwelchen technischen Firmen usw...

Dann begann die erste Woche:

Erstmal holt man sich jeden Tag das ca. 20-seitige Tagesprogramm und guckt durch, woran man teilnehmen möchte, meistens ist das jedoch so viel, dass man sowieso die Hälfte der vorgenommenen Dinge wieder streichen muss :-)

Ich habe mir teilweise die Verhandlungen angeguckt, an vielen Meetings teilgenommmen und mit der Aktionsgruppe der "International Youth" (die ca. 1000 Leuten umfasst und ziemlich professionell organisiert ist) Aktionen ausgedacht und durchgeführt.
Tuvalu - in der KonferenzDie Verhandlungen die ich mitbekommen habe, waren irgendwie sehr merkwürdig, zunächst beschwerte sich fast jedes Mal China über das Logo der Verhandlungen.. man sitzt dann dort und denkt sich, warum reden die über das Logo, wenn man weltbewegende Dinge entscheiden sollte, andererseits gab es hauptsächlich von kleinen Staaten aus dem globalen Süden wirklich sehr bewegende Statements, die einem nochmal deutlich gemacht haben, wie ernst die Lage ist.

Die gesamte Atmosphäre im Bella Center wirkte in der ersten Woche auch nicht grade, als ob irgendetwas weltbewegendes Geschieht, sondern eben wie eine riesige Messe.

Man ist im Konferenzgebäude die ganze Zeit so sehr mit irgendwelchen Programmpunkten beschäftigt, dass man teilweise vergisst, den gesamten Tag etwas zu essen, bzw. sich mal eine kleine Ruhepause zu gönnen. Die Leute, die in den 2 Wochen wirklich professionelle Arbeit leisten, schlafen jede Nacht in den gesamten 2 wochen jeweils ungefähr 4 Stunden und den Rest des Tages arbeiten sie, sodass die Leute schon ab dem dritten Tag extrem fertig und überarbeitet aussehen :-)
Auch ich bin jeden Tag in der ersten Woche um 6.30 Uhr morgens aufgestanden und um ca. 24 Uhr ins Bett gegangen, da man bis 21 Uhr im Bellacenter war und danach noch emails checken musste. Am Donnerstagmorgen bin ich aufgewacht und dachte mir "oh mein gott- das ganze ist wie ein Marathon", denn auch das Schlafen in unserem Mini-Hostelzimmer mit 6 Personen war nicht wirklich erholsam.

Flood Action

 

 

 

Zum Glück kam dann das super Aktionswochenende, was eine wirklich ehrholsame Abwechslung war :-) und die Demo mit den 100.000 Menschen war wirklich beeindruckend.

 

 

 unser tanspi

 

 

Vor allem die Flood Action hat mir besonders gefallen, da unter allen Teilnehmenden eine total gute Stimmung herrschte, es gab Laolawellen und die Leute hüpften und tanzten. 

 

 

 

Am Montag bin ich dann noch einmal ins Bella Center gegangen, dort wurde uns jedoch dann verkündet, dass ab Dienstag "Secondary Badgets" eingeführt werden, was bedeutet, dass jede Organisation für ca. 30 % ihrer akkreditierten Mitglieder diese Badgets bekommt und sie dann unter sich verteilen muss, denn es kommen dann ins Bella center nur noch die, die einen Zweitbadget besitzen. Ich habe mich dann schnell dafür entschieden, die Secondary Badgets lieber den professionellen Leuten zu überlassen.

Somit habe ich mich am Dienstag bei der "Agriculture Demo" beteiligt, die wirklich sehr lustig und musikalisch war. Ich habe dort einen "grennwasher" gespielt, der alles Mögliche in der Umgebung mit einem Tuch "grün" putz, leider hatte die Polizei vorher unsere Sprühkreide eingesammelt :-), deswegen wars nur halb so lustig.

Am Mittwoch war ich dann bei "Reclaim Power", was auf jeden Fall eine der krassesten Erfahrungen war. Die Demo, war mit die "radikalste", den sie hatte das Ziel, das die Demonstranten auf das UN-gelände über den zaun steigen und gleichzeitig Leute aus dem Bella center ebenfalls zum Zaun kommen, sodass deutlich wird, dass auch die Meinung der Leute draußen gehört werden sollte. Ich war schonmal auf alles vorbereitet und mir war mental bewusst, dass man in Gewahrsam genommen werden könnte. Mir ist das zum Glück erspart geblieben :-), dennoch habe ich bis jetzt so viel Polizeigewalt noch nicht gesehen. Als die friedliche Demo am Bella Center angekommen war und die Demonstranten begannen gegen die Polizeiketten, die uns vorm Zaun abhalten sollten, zu drücken, begann die Polizei ziemlich stark Pfefferspray, Tränengas und Schlagstöcke einzusetzten.
Auch die NGOs und Deligierte, die von drinnen an den Zaun wollten, wurden mit Schlagstöcken und angedrohten Festnahmen davon abgehalten.

sitzstreik

Die Organisation Friends of the earth, unter der ich akkreditiert war, wurde zudem seit Mittwoch komplett von den Verhandlungen ausgeschlossen, wofür es keinerlei vernünftige Erklärung gab. So kam es am Mittwoch zudem zum Sitzstreik unserer Organisation, was ein extrem großes Medienecho bewirkte             (TV-Nachrichten usw.) . Uns jedoch hat dies wirklich sehr sehr enttäuscht und eindeutig gezeigt, dass der Prozess im Bella Center sehr unkontrolliert, chaotisch und undemokratisch abläuft.

 

Bei einer Veranstaltung von 350.org, bei der der Gründer Bill Mc Kibben und der Präsident der Malediven sehr sehr gute Reden hielten, hörte ich die eindeutig schockierendste Zahl der letzten 2 Wochen:

Berechnet man den Co2-Wert für das Jahr 2100 in Bezug auf die Emissionsversprechung erhält man den absolut schockierenden wert von 770 ppm. Nur noch mal zum Vergleich: die gesamte Menschheitsgeschichte bis zum 19. jhd. ca. 200-300 ppm, heute um die 390ppm und wir müssen laut Forschern auf 350ppm zurück.

Da möchte ich mir die Auswirkungen von 770ppm wirklich nicht vorstellen...

Das Ende der Verhandlungen war also wirklich eine sehr krasse Enttäuschung, dennoch waren es für mich auf jeden Fall sehr sehr erlebnisreiche Wochen in denen ich ganz viele Erfahrung sammeln könnte und die einen, durch die vielen netten Menschen und neuen Kontakte, motiviert haben, sich weiter für den Klimaschutz einzusetzten. unsere internationale Begegnung

 

 

Allerdings habe ich auch noch mal ganz doll gemerkt, dass es auch einfach dringend notwendig ist, jetzt etwas zu verändern, da ich nun wirklich persönlich Leute kenne und Freunde gefunden habe, die schon jetzt sehr unter den Folgen des Klimawandels leiden. 

 

 

 

Ich hoffe mein Text konnte euch jetzt ein paar Eindrücke vermitteln und ihr geht motiviert ins neue Jahr :-)

Eure Anna

 
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