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Unser Redebeitrag beim Klimastreik

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Am 24.04.2026 zogen bei dem von „Fridays for Future“ veranstalteten Klimastreik rund 700 Menschen durch Kiel und erhoben ihre Stimme für die Umwelt. Auch wir taten dies: mit unserem eigenen Redebeitrag.

Am 24.04.2026 zogen bei dem von „Fridays for Future“ veranstalteten Klimastreik rund 700 Menschen durch Kiel und erhoben ihre Stimme für den Gasausstieg, einer zukunftssicheren Umweltpolitik und einem durchgesetzten Klimaschutz.

Auch wir waren bei der Demonstration vertreten: sogar mit einem eigenen Redebeitrag. In diesem Blog könnt ihr den ganzen Text nachlesen und die Videos auf Instagram ganz einfach finden.

An dich,

ich fürchte, die Welt geht gerade unter.


Und ich denke an die Menschen, die noch bei mir sind. Die ich in Gedanken für immer an mich bind‘.
Denn, dass wir da sind, ist ein Wunder.
Und ich denke an die Menschen, die es nicht geschafft haben. Von den Fluten untergraben.
Während die Erde an anderen Orten brennt, so heiß und schnell, als bestünde sie aus Zunder.


Ich denke an meine Geschwister, die neben mir sitzen und sich in ihre eigenen Gedanken nisten.
Ich denke an meine Mama, die sich um die fremden Kinder kümmert, welche mit roten Augen und laufender Nase und zittrigem Körper zu dem Fenster starren.
Ich denke an meinen Papa, der irgendwo hinter dieser Scheibe ist und ich hoffe, dass ich ihn wiedersehe.


Es gibt Dinge – da bin ich mir sicher – die habe ich für immer verloren.
Mein erstes Stofftier wurde von den Wellen entführt. Das liebste Foto meiner Großeltern sank zu Boden.


Meine Träume sind ertrunken.

Ich will nicht mehr Autorin werden. Ich will nur noch, dass sich niemand fürchten muss, zu sterben.
Früher haben meine Eltern auf Föhr Drachen steigen lassen. Ihre Erinnerung wird nun verblassen, denn durch die Wassermassen gibt’s die Insel nicht mal mehr.
Ich kann es nicht fassen, dass die Menschen früher geahnt haben, dass all dies passiert und trotzdem nichts taten.


Wir tragen den Preis, der nicht mit ihrem – der nicht mit eurem – Geld bezahlt werden kann.
Was nützen euch die Münzen, die Scheine und das Papier, wenn es das ist, was als erstes Feuer fängt?
Was nützt euch die Macht über Orte, wenn jetzt nur noch Fische durch ihre Gassen schwimmen?
Was nützt es euch, dass ihr an der Spitze steht, wenn die Welt gerade untergeht?


Die Gierigen haben sich erhoben und nicht verstanden, dass sie in Wirklichkeit fallen.


Es wäre nett gewesen, hättet ihr uns nicht mitgezogen.
Jetzt sitzen alle hier, denken an das gleiche. Egal, was sie sind, Arme oder Reiche.
Niemand hat was zu essen, denn die Felder ernähren sich nicht bloß von Geldern.
Niemand hat Freude daran, diese Luft zu atmen.
Niemand kann diese Hitze, diesen Lärm und diesen Zustand ertragen.


Die ganze Welt leidet, nur weil die Gier Zusammenhalt meidet.


Ich bin mir sicher, das habt ihr gar nicht gewollt.
Aber warum bekriegt ihr euch dann noch?
Ich verspreche euch, dass ihr das nicht wollt!
Ihr müsst doch bereits erleben, was passiert, wenn ihr so weitermacht!
Vielleicht ist das für euch nicht einfach, denn noch ist eure Welt ja bunt.
Ich verspreche euch, dass ihr in den Abgrund rollt.


Eure Welt ist bunt, aber ihr müsst jetzt die Leinwand wechseln, wenn das so bleiben soll.
Ich weiß, aufstehen ist schwer.
Aber im Gegensatz zu mir hast du es wahrscheinlich leicht.
Und es reicht, wenn du dich einsetzt, laut und achtsam bist.
Denn das System ist das, was sich wandeln muss.
Ich weiß, Veränderung ist schwer.
Aber du hast die Wahl, was die Zukunft bringen soll.


Willst du das, was ich habe?
Oder willst du Farbe, eine Welt, in der Macht keine Rolle spielt und der Wind bloß sacht‘ durch deine Haare schwebt?
Eine Welt, in der nicht nur wenige ein gutes Leben haben und sich die Zuversicht in allen Menschen regt.
Wo verstanden wird, dass wir alles bloß Wesen sind, egal was uns von anderen hervorhebt, was uns besonders macht.
Wo alles lacht, wir wieder gerne atmen und wo alle Menschen dieser Welt träumen können.

Stell dir vor, draußen fahren keine Autos, in der Mittagspause unterm Apfelbaum, noch nicht verdrängt von invasiven Arten, noch keine Straße, kein Asphalt, kein Beton, dort auf dem Schrebergarten.
Stell dir vor, deiner Umwelt ginge es gut.
Hör auf, bloß abzuwarten.


Ich verspreche dir, die Reue wiegt hier sehr schwer. Dabei kenne ich deine Welt nicht mal und kann nur noch von dieser blühenden Erde träumen.
Deine Zukunft, die ist mehr.
Ich glaube, du kannst das schaffen.
Und dann kannst du diese Worte in den Händen halten, die Sorgen ganz klein in eine Ecke falten.
Denn du bist nicht ich, ich kenne dich nicht, wir sind nicht die gleichen, denn du stellst diese Weichen.


Und ich bin mir sicher, das wird reichen.

Du willst die vorgetragene Rede hören?

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